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Wir schreiben das Jahr 2005. Es ist Juli. Im Clubheim des Tanzsportkreis (TSK) Sankt Augustin hat sich soeben eine Gruppe munterer Jugendlicher, darunter Alexander Schmitz, Philipp Krempel, Andreas Schenk, sowie der damalige Jugendvorstand mit Rouven Grassel als Vorsitzendem, Jacqueline Jania als seine Stellvertretung, Dimitrios Nicolos als Jugendsprecher und Sabrina Donix als entsprechende „Ersatzfrau“, eingefunden.

Es ist Jugendvorstandssitzung, eine eher weniger formelle und mehr gesellige, spaßige Angelegenheit, bei der mehr die Milka- und Hanuta-Vernichtung auf der Tagesordnung steht, als alles andere. Und dabei wird dann noch über die Jugend des Vereins gesprochen. Was könnte man tun, um noch mehr Jugendliche für den TSK zu begeistern? Was kann man tun, um die Jugendlichen im Verein zu unterstützen? Wie kann man den Vereinszusammenhalt verbessern? Und vielleicht sogar: Was könnte man tun, um etwas ganz Besonderes zu sein? Anders als andere Jugendabteilungen?  

Der sogenannte „Dance Contest“ war an jenem Julitag im Prinzip „an allem schuld“. Die Jugendabteilung des TSK hatte sich im Laufe der vergangenen Jahre nämlich gerade dadurch hervorgehoben, dass sie mehrmals im Jahr ein Turnier für jugendliche Nicht-Turniertänzer veranstaltete. Wertungsrichter waren entsprechend jugendliche Nicht-Wertungsrichter. Eine Veranstaltung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreute. Ohne großes Konkurrenzgeschehen, dafür mit jeder Menge Spaß und viiiiiel Kaffee und Kuchen konnte getanzt, gewertet und gewonnen werden. Gemeinsam mit den Aachener Vereinen war es sogar möglich, den „Dance Contest“ auch außerhalb Sankt Augustins im NRW durchzuführen.

An besagtem Julitag – um nicht ganz weit abzuschweifen - ging es nun um die Fragen „Wie geht es 2005 weiter mit dem Dance Contest?“, „Besteht noch Interesse?“, „Ist es noch etwas Besonderes?“ und „Wie könnten wir ihn vielleicht umstricken, um ihn wieder zu etwas Besonderem zu machen?“.

„Was ist eigentlich mit dem Ball, den wir mal organisieren wollten? War das nur so eine Spinnerei oder wollen wir das jetzt wirklich machen?“ fragte jemand in die Runde. „Ja, aber auch das ist nichts Besonderes mehr. Bälle macht doch jeder!“ antwortete ein anderer. „Wie wäre es denn, wenn wir…- ach, ist egal, das klappt eh nicht…“ murmelte ein dritter. Die Geburtsstunde der „Shownight“ beginnt. „Was klappt nicht? Was meinst du?“, „Ja, wir könnten doch mal etwas für Kinder und Jugendliche tun, denen es schlechter geht, als uns. Die jetzt nicht hier sitzen und Hanuta in sich reinstopfen können. Die auch nicht tanzen können, weil sie vielleicht zu krank oder zu schwach sind. Die vielleicht auch gar nicht wissen, ob es ihnen jemals wieder gut gehen wird. Kranke Kinder, arme Kinder. Kinder und Jugendliche, die einfach mal jemanden brauchen, der sie an die Hand nimmt und sie vielleicht zum Lachen bringt, wo es nicht mehr viel zu lachen gibt…“

Etwa zehn Sätze später fällt noch der Satz: „Wir spinnen doch jetzt total. Naja, egal. Mal sehen, was daraus wird.“ Die Shownight war geboren, der 27. August 2005 zur Premiere auserkoren. Mission: Kindern und Jugendlichen der Kinderklinik helfen. Zielscheibe der Spende: Die Elterninitiative krebskranker Kinder der Kinderklinik Sankt Augustin!

Moment, stopp noch mal: 27. August??? Das ist ja schon in vier Wochen! Na dann mal hoch mit dem Hanuta-Hintern und los geht’s! Wir brauchen Showpaare! „Wir könnten ja Anton Skuratov & Anna Seltenreich fragen. Oder Valentin Lusin & Renata Busheeva! Vielleicht tanzen die ja, umsonst! Haha!“ witzelt einer, wohl wissend, dass diese Paare stets sehr viel Geld als Gage erhielten. „Ja, dann machen wir das doch!“ baut ein anderer den Witz unfreiwillig und vollkommen ernst bleibend aus. Alle lachen und schließen Wetten dagegen ab. Um ein Eis. Das Eis haben wir uns bis heute nicht ausgegeben, aber zwei Tage später hatten wir die Zusagen von Anton & Anna, ebenso wie von Valentin & Renata. Nicht umsonst, nein, für einen guten Zweck! Ohne jede Gage!

Die Begeisterung wächst allmählich. Volker & Sabine Hey, Freunde aus dem Tanzsport und selbst begeisterte Ehrenamtler und Benefizanhänger, melden sich bei der TSK-Jugend und bieten ihre Hilfe an. „Habt ihr schon ein Plakat? Und habt ihr schon eine vernünftige Tombola? Wo soll das überhaupt stattfinden? Hat schon jemand Karten gekauft?“ Aaaaaaaaah!!! Die Zeit rennt. Klinke in die Hand nehmen und Tombola-Geschenke erbetteln, weitere Showauftritte planen, Zeitplan erstellen, Vereinshalle beim Vorstand erschleimen und vor allem Werbung machen und sich auf die Stirn tätowieren, dass der 27. August 2005 der „Tag der Tage“ in der Geschichte der TSK-Jugend werden soll. Die damals grauen Wände im TSK müssen weg: Ab zum Karnevalsbedarf, wir brauchen Stoffbahnen in den Vereinsfarben blau und silber. Fackeln für draußen wären toll und ein roter Teppich! Und ein Sektempfang! Alles soll perfekt sein, jeder Handgriff muss sitzen. Mit viel Hilfe von Volker & Sabine Hey und weiteren tatkräftigen Helfern entsteht nach und nach die erste Benefizgala. Der 26. wird im Kalender weggestrichen, Efeu und Glitzer auf die Tische und die erste Gala geht los!

Bis mitten auf den TSK-Parkplatz reicht die Schlange der anstehenden Leute, die natürlich stilecht auf dem roten Teppich mit Sekt in der Hand und zwischen Fackeln anstehen. Der General-Anzeiger möchte ein Interview. Die Kellner und Helfer leiten die Gäste an ihre Plätze. Jereon Lujier & Stephanie Maycock eröffnen die von Dr. Thomas Kokott moderierte Gala mit einem Wahnsinns-Slowfox auf Michael Bublés „Feeling good“ und mit einem Mal ist alle Aufregung weg, die Leute toben vor Begeisterung! Ja, jetzt feelen wir uns auch good.

Es folgen ebenso fantastische Auftritte der Boogie-Woogie- und der Flamenco-Gruppe des TSK, sowie Showauftritte von Lukas Stralek & Carolin Muschalik, Christian Korbella & Anita Mothes und natürlich die lang ersehnte Mitternachtsshow von Anton & Anna und Valentin & Renata. Bei der Tombola gewinnt TNW-Vizepräsidentin Dagmar Stockhausen den Hauptpreis, einen wunderschönen Strandkorb für Kinder, und stiftet diesen umgehend an die Elterninitiative zugunsten der Krebsgeschwächten.

Noch am selben Abend zählen unsere müden Augen das viele Geld und wenige Wochen später wird die erste stolze Spendensumme von 1500€ an die Elterninitiative überwiesen, mit der diese vor allem das Projekt „classissimo“ sponsert, einen Computerraum, in dem die Kinder während ihres Klinikaufenthalts per Webcam am Klassenunterricht teilnehmen und in den Pausen mit ihren Schulkameraden chatten können. Mann, waren wir stolz auf uns! Gespült haben wir übrigens bis 8 Uhr am nächsten Morgen. Feeling müde, aber feeling irrsinnig glücklich…

Wir schreiben das Jahr 2006. Die zweite Gala ist nach einjährigem guten Feedback und der „Frage nach mehr“ bereits in intensiver Planung. Diesmal haben wir uns einen späteren Termin ausgesucht. Der 2. Oktober 2006 soll es sein. Ein Tag vor dem Tag der Deutschen Einheit und das soll bis 2009 erstmal auch so bleiben. 2006 entscheiden wir uns jedoch nicht nur für einen neuen Termin, sondern auch für eine neue Kulisse: Das Bonner Günnewig Bristol Hotel soll unser neues Zuhause werden. Burkhard Hans, von DER Tanzmusikfirma Casa Musica, meldet sich zur Hilfe, um uns und unsere Gäste am 2. Oktober mit den aktuellsten Klängen aus der Tanzsportszene zu verwöhnen. Während den German Open Championships in Stuttgart erfährt Bundestrainer Oliver Wessel-Therhorn durch einen Zufall im Star-Chat, in dem er als Gast geladen war, von unserem lobenswerten Vorhaben (Eigenlob stinkt, schon klar… ;-)) und ist sofort Feuer und Flamme für uns. Spiel, Satz und Sieg: Mit einem derart begnadeten Moderator und seinem unvergleichlichem Humor können wir nur gewinnen! Doch Oliver zeigt sich nicht nur als Mann der großen Worte, sondern vielmehr der großen Taten: Zeitplan erstellen, mitplanen, Showpaare ansprechen – bereits im Vorfeld der Gala war klar: Auch die zweite Shownight wird unvergesslich! Nachdem in diesem Jahr plötzlich Showpaare wie Martin Schurz & Sofia Bogdanova, Wladislaw Lalafarjan & Mayya Tochelovich, Oliver Rehder & Jasmin Rehder, Valentin Lusin & Renata Busheeva, Paul Lorenz & Kristina Mertin, Pavel Kurgan & Caroline Zytniak, Philipp Clemens & Weronika Slotala, sowie eine HipHop-Gruppe und ein Paar aus dem Rollstuhltanz zusagen, haben wir nur noch eine riesige Sorge, nämlich: 2007. Und in der Tat: Der Abend ist nicht zu toppen! Oliver bringt den ausverkauften, von uns wunderschön dekorierten Hotelsaal zum Weinen vor lauter Lachen. Die Showpaare begeistern mit hervorragenden Darbietungen und als besonderes i-Tüpfelchen kommt Joachim Llambi, der strenge Juror aus der RTL-Fernsehsendung „Let’s dance“ ebenfalls vorbei. Gemeinsam mit Oliver, Dirk Bastert, Sofia Bogdanova und Hendrik Höfken gibt es ein Revival von „Let’s dance“ in der Comedyvariante, denn diesmal darf Llambi nicht meckern, sondern muss selbst tanzen… Kurzum: Die Standing Ovation und die verdoppelte Spendensumme von 3000€ gaben uns recht! 2006 war perfekt!  

Wir schreiben das Jahr 2007. Die Gala geht in die dritte Runde. Viele Paare halten uns nun seit Jahren die Treue. Valentin & Renata melden sich erneut als Showpaar, ebenso Martin & Sofia und Oliver & Jasmin. Auch Wladislaw ist mit seiner neuen Partnerin Vanessa Held wieder dabei. Dazu gesellen sich Evgeny Vinokurov & Kristina Luft, ebenso wie die Equality-Europameister im Standard-Frauenbereich Dr. Caroline Privou & Dr. Petra Zimmermann. Burkhard sorgt für den richtigen Ton und unsere Musik- und Technikfirma „Sound & Music“ hilft uns ebenso selbstverständlich. Oliver ist auch wieder mit dabei! Mit dieser Sicherheit geht es in die dritte Version und damit ins Bürgerhaus Troisdorf, wo bereits Welt- und Europameisterschaften der Professionals ihr Zuhause fanden. Und wieder: Ein unvergesslicher Abend der Sonderklasse! Erlös in diesem Jahr: 2300 €!

Wir schreiben das Jahr 2008. Troisdorf, Bonn, Niederpleis – die Shownight ist bereits weite Wege gegangen, die Gäste, Paare und Helfer sind mitgekommen, die Spendensumme stetig gewachsen. Zeit sich zu besinnen, Zeit sich zu seinen Wurzeln zurückzubewegen. Auf diesem Wege findet die vierte Benefizgala schließlich in der Aula der Steyler Missionare, unmittelbar gegenüber der Kinderklinik selbst statt. Mitten im Herzen Sankt Augustins, wo normalerweise eher der Bär tobt, erstreckt sich hier ein wunderschönes, besinnliches Fleckchen von Mutter Naturs verbliebenem Zauber. Gepaart mit den Ideen der TSK-Jugend, ein perfekter Ort um Runde vier einzuläuten. In einem Meer von Fackeln wird die Menschenmasse in den Saal getragen, von einer Welle der Crème de la crème des Tanzsports erfasst, um schließlich in tosendem Applaus die vierte Gala zur besten Shownight in der „History of an impossible dream“ zu erklären. Durch den Abend führte in diesem Jahr erstmals Dimitrios Nicolos, damit ein Mitglied des Orgateams, und zeigte so erneut zahlreiche Facetten des Teams, sowie sein eigenes junges, spritziges Moderationstalent, welches zwischenzeitlich Hand in Hand mit dem Moderationstalent von Burkhard Hans ging, der den Abend erneut mit der nötigen Hintergrundatmosphähre versah. Lukas Staudt & Sarah Ertmer, Philipp Clemens & Weronika Slotala, Michal Stukan & Susanne Miscenko, Oliver & Jasmin Rehder, Dr. Caroline Privou & Dr. Petra Zimmermann, Stefan Erdmann & Sarah Latton, ebenso wie Boogie-Woogie-Pianist Stefan Ulbricht taten, was sie am besten konnten: Sie kamen, sahen und siegtem im Kampf um die Herzen der Zuschauer! Und die TSK-Jugend siegte auch. Im Kampf um die Spendensumme! Satte 3.500 Euro konnten beim Kinder- und Sommerfest des TSK an Ruth Wehnert, Vorsitzende der Elterninitiative überreicht werden. Rekord! Noch am Abend des 2. Oktober 2008 war klar: Unser Jubiläum wird ebenfalls im Saal der Steyler Missionare stattfinden. Nur den Rekord wollen wir nicht. Wir wollen mehr!

Mit unserer Benefizgala zugunsten krebskranker Kinder hoffen wir, dass wir die Welt ein Stückchen bunter gemacht haben. Es sind keine Millionen. Es entsteht durch uns keine neue Krebsmedikation und erst recht kein Heilmittel. Aber es erreicht das, was so ziemlich jedes Herz zum Schmelzen bringt: glückliche Kinderaugen!

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen, die uns das möglich gemacht haben und hoffen, dass sie uns noch viele weitere Jahre unterstützen und treu bleiben werden! Ihr seid unersetzlich.

Wir schreiben das Jahr 2009. Und den Rest der Geschichte dürfen Sie schreiben…

 

Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen; doch wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben.

 

Martin Luther King (1929-68), amerikanischer  Bürgerrechtler u. Baptistenpfarrer, 1964 Nobelpreisträger